Allgemein Kaffeepause

10 Jahre Du & Ich

Am Wochenende hatten wir unseren zehnjährigen Hochzeitstag! Verrückt, dass das schon zehn Jahre her ist. Und dann wiederum auch nicht. In den letzten zehn Jahren ist viel passiert. Wir haben Jobs gewechselt, sind viel gereist (ein Highlight war definitiv unsere Australienreise!), haben uns gemeinsam in Wiesbaden ein Leben aufgebaut, haben Kinder bekommen… Wir haben aber auch gemeinsam um meinen Papa getrauert und ein Baby verloren. Und wir sind mit Sack und Pack in die USA gezogen.

Als wir uns an jenem Tag im Mai vor zehn Jahren versprachen „in guten wie in schlechten Zeiten“ ein Team zu sein, wussten wir nicht, wie GUT die guten Zeiten sein würden und wie schwer die schlechten. Aber so ist das Leben! Und ich bin so dankbar für unser gemeinsames Leben.

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Hier sind zehn Dinge, die ich in zehn Jahren Ehe gelernt habe:

1) Eine aufrichtige Entschuldigung enthält kein „aber“. Klingt einfach, aber probier’s mal aus 😉

2) Es sind die kleinen Dinge. Vielleicht ist es schön, mit einem Urlaub überrascht zu werden. Einem Auto. Oder einem Diamanten. Keine Ahnung – wurde ich noch nie 😉 Aber ich persönlich fühle mich mehr geliebt, wenn er mir einen Kaffee an den Schreibtisch bringt, selbstverständlich und ohne ein „danke“ zu erwarten jeden Abend den Müll rausbringt und den Abwasch übernimmt, bei 38 Grad den Rasen mäht, den Kindern geduldig Geschichten erzählt oder mir Pfingstrosen kauft, weil er weiß, dass es meine Lieblingsblumen sind. Da kann kein Urlaub, Auto oder Diamant mithalten.

3) Streiten ist okay. Das war vielleicht der größte Lernprozess, zumindest meinerseits. (Vertragen ist aber immer noch das Schönste.)

4) Nicht jeder muss alles können. Ich kann besser vorlesen, er kann besser Geschichten erzählen. Ich brühe den besseren Kaffee, er grillt das bessere Steak. Ich mache Fotobücher, er kümmert sich um Spinnen und andere Krabbel- und Kriechtiere, die es hier in der Gegend so gibt. (Gabenorientierte) Aufgabenverteilung kann so hilfreich sein in einer Beziehung!

5) Eltern sein ist das, was uns am meisten herausfordert. Nicht nur sind wir auf verschiedenen Kontinenten groß geworden, wir sind auch in ziemlich unterschiedlichen Familien aufgewachsen. Dass man da mit der Erziehung der eigenen Kindern nicht immer auf demselben Nenner landet, ist völlig klar. Sich auf Grundwerte zu einigen und dann den anderen einfach mal machen lassen, auch wenn er/sie vielleicht anders wickelt/füttert/beruhigt/schlichtet/tröstet, ist ein Lernprozess. Aber so wichtig und gut für alle Beteiligten!

6) Eltern sein ist das, was uns am meisten zusammenschweißt. Jemanden zu haben, der genau so stolz ist auf die Kinder, dessen Handy (fast) genau so viele Fotos von den Kindern hat wie das eigene, der genau so Hals über Kopf verliebt ist in die Kinder. Das gibt einer Beziehung noch mal eine ganz neue Dimension.

7) Beste Absichten unterstellen. Am besten ist ja eigentlich, man vermutet und unterstellt gar nicht erst, sondern spricht Dinge direkt an. So oft schaukeln sich Situationen hoch, weil man nicht miteinander Klartext redet, sondern Vermutungen anstellt. Wenn man versucht, der Sache objektiv auf den Grund zu gehen oder sogar, dem anderen gute Absichten zu unterstellen, kommt es oft gar nicht erst zu Missverständnissen. Nicht einfach, ha! Damit werden wir die nächsten zehn Jahre bestimmt noch beschäftigt sein 🙂

8) Die Enneagram-Nummer und die Love Language des Partners zu kennen, ist Gold wert! Ich habe letztes Jahr angefangen, mich mit den Enneagram-Typen zu beschäftigen und bin großer Fan. Nicht nur hilft es, eigene Verhaltensmuster zu erkennen und zu hinterfragen, es hilft vor allem auch dabei, den Partner besser zu verstehen. Das Buch kann ich empfehlen als Einstieg in das Thema. „The Five Love Languages“ habe ich vor Jahren mal gelesen. Es geht nicht so sehr in die Tiefe, was Persönlichkeiten angeht, aber in einer Beziehung die Sprache der Liebe des anderen zu kennen, ist hilfreich 🙂

9) Nicht aufhören sich zu daten. Seit wir in den USA leben, haben wir das leider etwas schleifen lassen, da wir noch keinen festen Babysitter haben. Aber wir haben das davor einige Jahre regelmäßig ein bis zwei Mal im Monat gemacht und es tut der Beziehung so gut. Es muss ja auch nicht immer ein klassisches Date im Restaurant sein oder so. Man kann auch Pizza bestellen, eine Flasche Wein aufmachen und statt vor dem Fernseher den Abend zusammen auf der Terrasse verbringen. Es geht im Alltag so schnell unter, da muss man sich ab und zu erinnern, dass man auch noch ein Paar ist 🙂

10) Ich brauche Zeit für mich. Das war mir so ehrlich gesagt lange gar nicht klar. Lange Zeit (also: bis wir Kinder hatten) musste ich das ja auch gar nicht einfordern. Ich hatte sie einfach – die Zeit für mich. Mit Baby war das dann auf einen Schlag anders. Mir ist es nicht nur schwer gefallen, Zeit für mich zu nehmen, mir war gar nicht klar, dass es mir so sehr fehlt. Mit dem „Self Care“ Trend konnte ich nie so viel anfangen. Da hatte ich Bilder von Bubble Bath, Pediküre oder Kurkumamilch im Kopf. Für manche ist es vielleicht die Badewanne, für mich ist es ein langer Spaziergang, ein paar Stunden in meinem Lieblingscafé mit meinem Notizbuch und Stift, einen Abend auf der Couch – nur ich und ein gutes Buch. Self Care oder nicht, ich bin froh, dass ich gelernt habe, dass ich regelmäßig Zeit für mich brauche und das auch einfordere. Um meine Gedanken zu sortieren, Pläne zu schmieden, zu lesen und zu schreiben.

So wie jetzt gerade.

Auf dass wir auch die nächsten zehn Jahre nicht aufhören werden zu lernen! Not easy, but worth it. Wie so vieles im Leben. Wie das Leben selbst.

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